Neue Normalität: Wie sich die Arbeit im Dentallabor mit Corona verändert hat
Durch die mit Corona einhergehenden Maßnahmen hat sich die Arbeit in der Zahnarztpraxis und im Dentallabor verändert. Insbesondere im Bereich der Zahnersatzfertigung, in dem oft ein enger Austausch notwendig ist, mussten Wege neu gedacht werden. Digitale Lösungen wie Intraoralscanner, Live-Chat, Online-Servicetools oder Video-Call haben sich etabliert, denn sie ermöglichen den kontaktfreien Austausch. Gleichwohl bleibt die persönliche Zusammenarbeit eine wichtige Grundlage. Andreas Thiel (Laborleitung Flemming Dental Waren & Rostock) und Stefan Mügge (Laborleitung Flemming Dental Bochum) berichten, wie sich die Arbeit in ihren Laboren verändert hat.
In der Arbeitswelt lassen sich coronabedingt zwei Tendenzen erkennen (Sonderstudie „Corona“, Bertelsmann Stiftung, Münchner Kreis [Hrsg.] 2020). Erstens beschleunigt Corona die digitale Transformation, und zweitens ist das Bedürfnis für Nachhaltigkeit gestiegen. Verstärkt kommen digitale Dienstleistungen und Kundenkommunikationskanäle zum Einsatz, z. B. Mobile-Pay, Online-Fortbildung etc. Auch im Bereich der Zahnersatzfertigung hat sich einiges verändert. Da auch während der Corona-Zeit Zahnersatz benötigt wird, waren die meisten Dentallabore durchgehend geöffnet.

Wie hat sich die zahntechnische Arbeitswelt verändert?
Andreas Thiel: Da sind verschiedene Aspekte zu nennen, z. B. flexible Arbeitszeiten, zunehmender Einsatz digitaler Technologien oder gestärkter Zusammenhalt innerhalb des Laborteams. Und auch die Zusammenarbeit mit der Zahnarztpraxis hat sich gewandelt. Das Verständnis füreinander ist gewachsen. Wir reduzieren persönliche Besuche in der Praxis auf ein Mindestmaß und besprechen Themen gebündelt. Gemeinsam mit den Zahnarztpraxen haben wir praktikable Wege gefunden. Was auffällt, ist das hohe Interesse für digitale Technologien. Hier sind wir bei Flemming gut aufgestellt und waren somit den Herausforderungen von Beginn an gewachsen.
Stefan Mügge: Dem kann ich nur zustimmen. Auch unser Labor war schon vor Corona digital ausgerichtet und dies kommt uns nun zugute. Doch letztlich ist Zahntechnik ein Handwerksberuf. Wir fertigen Zähne individuell und dies bedarf eines persönlichen Austauschs. Das ist in Pandemie-Zeiten eine Herausforderung, doch mit gutem Hygienekonzept möglich. Zudem sorgen digitale Technologien für den Dialog. Der Datenaustausch über sichere Online-Plattformen ersetzt Botenfahrten; immer häufiger kommt der Intraoralscanner zum Einsatz. Das ist komfortabel für Patienten und Praxis- sowie Laborteam. Ein Klick und die Munddaten gelangen zu uns ins Labor.
Und die eigentliche Arbeit als Zahntechniker?
Stefan Mügge: Im Labor selbst hat sich die Arbeit nur zum Teil verändert. Hohe Hygienestandards verfolgen wir seit jeher; gearbeitet wird nach bewährtem QM-System. Die Maßnahmen wurden mit Beginn der Pandemie ausgebaut. Alle Arbeitsplätze haben einen Mindestabstand von 1,50 m. Zudem wurden zwischen den Plätzen Plexiglasscheiben angebracht. Spezielle Hinweisschilder sensibilisieren für die regelmäßige Händehygiene; im Labor verteilt stehen Desinfektionsständer. Zudem arbeiten wir alle mit Mund-Nasen-Schutz, bei Kunden- und Patientenkontakt mit FFP2-Masken.

Ist für Zahntechniker eine Tätigkeit im Home-Office möglich? Wie werden digitale Kommunikationskanäle genutzt?
Andreas Thiel: Zahntechnik ist ein Handwerk. Viele Bereiche, gerade in der Fertigung, lassen sich nicht im Home-Office umsetzen. Wo möglich, wird es bei uns in Anspruch genommen, z. B. in Abrechnungszentren. Hauptsächlich erlauben uns jedoch Schichtsysteme mit versetzten Arbeits- und Pausenzeiten eine Kontaktreduzierung. Digitale Kommunikationsmittel nutzen wir u. a. bei Vorstellungsgesprächen. Die finden per Videocall statt und das funktioniert gut. Überhaupt hat sich die Meeting- und Fortbildungskultur verändert. Wir nehmen häufig an Webinaren teil und bieten diese als Laborgruppe auch für Zahnarztpraxen.
Zahntechniker brauchen den Kontakt zum Zahnarzt und Patienten. Ist das trotz Corona möglich?
Stefan Mügge: Sicherheit geht vor. In den Praxen werden höchste Hygienestandards gelebt; hier steht der Patient im Mittelpunkt. Der Kontakt zu uns als Dentallabor ist zwar wichtig, kann aber auch auf anderen Wegen erfolgen. Wir merken deutlich, dass Zahnärztinnen und Zahnärzte viel empfänglicher für den digitalen Austausch geworden sind. Beispiel ist die Arbeit mit dem Intraoralscanner. Zudem hat die Flemming-Gruppe seit August 2020 einen Live-Chat auf allen Websites integriert, bei dem sich Interessierte über die Leistungen unserer Laborgruppe beraten lassen können. Unser Kundenportal bietet umfangreiche Online-Tools und Services. Und, auch über Social Media lässt sich der Kontakt zur „Außenwelt“ halten.
Was fehlt Ihnen in der Zusammenarbeit mit Kunden?
Stefan Mügge: So vielseitig Digitalisierung sein kann, der zwischenmenschliche Kontakt kann nicht vollständig ersetzt werden. Mir fehlen der gegenseitige Austausch bei Fortbildungsveranstaltungen und der persönliche Kontakt. Doch durch unsere starke regionale Prägung können wir diese Lücke zu einem großen Teil füllen. Als Dental-Experten vor Ort sind wir – mit entsprechendem Hygienekonzept – für Zahnarztpraxen persönlich da.
Wünschen Sie sich eine Rückkehr zur Normalität?
Andreas Thiel: Was das private Leben betrifft: ja, auf jeden Fall. Einige Veränderungen werden jedoch nachhaltig das Leben prägen, was grundsätzlich als positiv zu beurteilen ist. Im Labor haben wir uns auf die Situation eingestellt. Das ist die neue Normalität. Wir können und wollen die Uhr nicht zurückdrehen, sondern möchten für unsere Kunden und Mitarbeiter flexibel bleiben, fördern gegenseitige Wertschätzung und setzen verstärkt auf digitale Fertigungsprozesse.
Zahntechnikermeister Andreas Thiel ist Laborleiter von Flemming Dental Waren & Rostock. Sein Kollege, Zahntechnikermeister Stefan Mügge, leitet Flemming Dental Bochum.
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